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Fiasko dahoam – ein Emotionsrückblick

26. Mai 2012

Zu diesem Zeitpunkt hatte man noch Hoffnung.

Bild: Markus Unger used under CC License  /  Text: Heiko Nieft

1822 schrieb ein gewisser Franz Schubert seine Sinfonie in h-Moll, dieses klassische Stück ging als “Die Unvollendete” in die Geschichte ein. 190 Jahre später hatte der FC Bayern die Möglichkeit erneut Geschichte zu schreiben, doch auch dieses Mal geht es höchstens als “die Unvollendete” in die Historie ein – als unvollendete Saison in der Champions League wohlgemerkt. Es gibt noch weitere Parallelen, sofern man denn etwas großzügig interpretiert. Sowohl Schuberts Werk als auch die CL-Saison 11/12 des FC Bayern hören sich prinzipell gut an, beide fangen eher düster an und werden in ihrem Verlauf von einem stolzen Charakter geprägt. Doch unglücklicherweise fehlt beiden das “happy end”. Stattdessen steht man am Ende leicht irritiert im Raum, und fragt sich ob es das denn schon gewesen sein soll.

Zugegeben, ich bin kein großer Klassik-Fan, und die Beschreibung des Verlaufs entstammt in ihren Grundzügen aus Wikipedia. Ich habe jedoch lange nach einer passenden Einleitung gesucht, ohne gleich mit der Tür ins Haus zu fallen. Und was passt besser als der Vergleich zwischen einem nicht vollendeten Meisterwerk und einem… naja… nicht vollendeten Meisterwerk.
Ich will aber gar nicht großartig über das Spiel schreiben, ich gehe davon aus jeder hat es gesehen weshalb ich mir tiefgehende Analysen ersparen kann. Mir geht es viel mehr darum einen kleinen Einblick in meine Gefühlswelt zu offenbaren, wobei ich mir vorstellen kann das es anderen ähnlich ergangen ist.

Fangen wir am besten von vorne an. Vor einem Jahr hätte ich nie damit gerechnet das der FC Bayern in das Finale der Champions League 2011/2012 einzieht, noch dazu im eigenen Stadion. Zu unvorstellbar schien es. Erst die CL-Quali, durch den schlechteren Topf auch die Gefahr einer schweren Gruppe. Doch beides hatte man geschafft, aber bereits im ersten KO-Spiel wurde es wieder kritisch – Stichwort Basel. Danach steigerte sich die Mannschaft international von Spiel zu Spiel, und jedem schwirrte mehr und mehr die Aussage von Uli Hoeneß im Hinterkopf herum. Sollte es wahr werden? Das “Finale dahoam”? Wie wir alle wissen wurde es wahr, nachdem die Truppe im Halbfinale auch Real Madrid ausschalten konnte. Aber jetzt war nicht mehr das erreichen des Finales das Gesprächsthema, sondern eher das der FC Chelsea der Gegner ist. Fest mit einem Sieg rechnend verging die Zeit bis zum Finale recht rasant, die Spannung stieg und stieg, die Landeshauptstadt München fing an ob des Ereignisses zu vibrieren. Eigentlich überall wurde man mit Werbung zu diesem Spiel bombardiert, in den letzten Tagen vor dem Finale konnte man kaum noch aus dem Haus gehen ohne an das Spiel erinnert zu werden. Man hatte einfach dieses Gefühl das es eine einzige große rot-weiße Party werden würde, an diesem 19. Mai 2012. Sponsoren drückten per Werbefläche die Daumen, anderenorts wurde das “Champions Festival” im Olympiapark angepriesen. Einfach alles deutete auf diesen einen Tag, auf diese wenigen Stunden am Abend hin. Selbst Arbeitskollegen die sonst nicht allzu viel mit Fußball anfangen konnten wussten von dem Spiel und fragten ständig nach dem eigenen Empfinden. Ich hatte das Glück das alles jeden Tag direkt in München genießen zu können, weniger Glück hatte ich (und viele viele andere) jedoch beim Thema Kartenvergabe. Schon vorher war klar das die Preise auf dem Schwarzmarkt explodieren werden, was sie dann auch taten. Daher stand recht früh fest das ich, wie viele meiner Kurvenkollegen, das Finale wohl leider nicht live im Stadion verfolgen kann.
Zum Glück gibt es jedoch ein kleines aber feines Forum namens Qiumi – ich selbst bin dort seit vielen Jahren aktiv, viele der dort registrierten Bayernfans sind aktive Supporter, aber alle mindestens mit Herzblut dabei. Die User verstreuen sich über das gesamte Bundesgebiet, dennoch entschloss man sich ein gemeinsames “Public Viewing” zu organisieren. Leichter gesagt als getan, schnell stand fest das die Anzahl der Teilnehmer eine gewisse Planung erfordert. Da sowohl das off. Public Viewing im Olympiastadion als auch auf der Theresienwiese ziemlich schnell ausverkauft waren musste also etwas anderes herhalten. Die Wahl fiel auf das Backstage-Gelände, und man hatte sogar das Glück noch einige Tische reservieren zu können. Lange Rede, kurzer Sinn, am Ende waren es mehr als 50 Leute aus ganz Deutschland die sich gemeinsam das Finale angesehen haben. Ich für meinen Teil fand alleine das einfach nur wunderbar, auch weil ich viele der Auswärtigen bereits kannte und mich auf ein Wiedersehen freute. Dies trug natürlich auch seinen Teil dazu bei das dieser Tag einfach kein Tag wie jeder andere wurde – unabhängig vom Spielausgang.

Den Finaltag im Detail zu beschreiben würde jeden Rahmen sprengen, und selbst dann nicht dem Gefühl im Ansatz gerecht werden das man hatte als man auf die illustre Runde blickte. Das Wetter war wie eigentlich alles einfach perfekt für diesen Tag, für diesen Abend. Jeder war guter Dinge, man trank das ein oder andere Bier, sang fröhlich und ausgelassen und man spürte die immense Vorfreude. Im Hinterkopf hatte wohl auch jeder schon irgendwie den Gedanken an die Nacht gerichtet, ich für meinen Teil tat dies auf jeden Fall. Alleine dir Vorstellung was bei einem Sieg des FC Bayern in München los gewesen wäre verleiht mir auch heute noch Gänsehaut.
Ich habe es selten erlebt das jeder vom Gewinn so überzeugt war, dieser unbändige Wille und das Glänzen in den Augen aller Anwesenden ist eines der Dinge an die ich mich sicherlich noch lange erinnern werde. Wohlgemerkt war das alles noch Stunden vom Anpfiff entfernt, die Zeit bis dahin wollte nicht so recht vergehen.
Die Anspannung stieg je näher der Anstoß rückte, man merkte das die Ausgelassenheit ein wenig dem kribbeln wich, dieser Art von kribbeln das es so wohl nur bei einem CL-Finale gibt – erst recht wenn es quasi vor der eigenen Haustüre stattfindet und der eigene Verein teilnehmen darf.
Als das Spiel endlich anfing konnte man schnell erkennen das die Hausherren den Ton angaben, im Regelfall nennt man sowas ein Spiel auf ein Tor. Entsprechend gut war die Stimmung, dieses Spiel konnte einfach nicht verloren werden. Man hatte Chance um Chance, jedes Mal bereit für den Torschrei, jedes Mal bereit für inbrünstigen Jubel. Aber irgendwie wollte einfach kein Tor fallen,  keine Ahnung ob es an fehlendem Zielwasser lag oder am teils übertriebenen Spieltrieb. Dennoch war man auch in der Halbzeit davon überzeugt den Henkelpott heute nach 11 Jahren endlich wieder nach München zu holen.
Die zweite Hälfte lief ähnlich zu der ersten, wieder waren wir am Drücker, wieder hatten wir die Chancen. Ribéry netzte sogar einmal ein, leider war es Abseits weshalb es nicht zählte. Doch diese Situation zeigte welche Stimmungsexplosion einen erwarten würde wenn am Ende der Sieger Bayern heißt, lauter Jubel überall, bis jeder realisierte das der Treffer nicht zählte dauerte es ein Weilchen. Weiter 0:0, bis zur 83. Minute. Ausgerechnet Müller, der Müller der vor zwei Jahren seine Chancen nicht nutzen konnte, trifft zum lang erwarteten und absolut verdienten 1:0. Sowohl die Stimmung im Stadion, als auch im Backstage kocht über. Lange Freudenschreie, Jubel ohne Grenzen, Tränen des Glücks bereits in den Augen. Einfach unbeschreiblich was in diesem Moment in einem vorgeht, pure Extase. 7 Minuten noch zu spielen, Bayern haushoch überlegen, was sollte da noch schiefgehen?

Doch dann wurde Müller ausgewechselt, und das Spiel änderte sich. Chelsea drückte, und kam durch den deren ersten Eckball in der 88. Minute zum Ausgleich. Schock… War das wirklich gerade passiert? Zählt der Treffer? Hat sich Drogba vllt. aufgestützt, irgendein anderes Foul? Nein, leider nicht. Fassungslosigkeit wenige Minuten nach dem ultimativen Jubel. Erste Gedanken schossen einem durch den Kopf, als Bayernfan ist man seit ’99 ein gebranntes Kind was späte Gegentore in einem CL-Finale angeht. Auf einen Schlag wich die Ausgelassenheit der Sorge, die Vorfreude dem Bangen.
Gegenseitige Zusprüche nach der regulären Spielzeit. “Das schaffen wir noch!”, “Wir packen das Jungs!” und ähnliche Sprüche. Fast wäre es ja auch so gekommen, ein Elfmeter für uns in der Verlängerung, der Torschrei bleibt einem jedoch im Halse stecken. Verschossen… Im CL-Finale… Das kann doch nicht sein! Wieder eine 180°-Wendung der Gefühle in kurzer Zeit. Die Stimmung wird wieder nervöser, der spontante Glaube an einen Gott erwacht, Stoßgebete gen Himmel oder sonstwohin schwirren durch die Luft. Nichts mehr zu spüren von der Ausgelassenheit vor Spielbeginn.
Die Verlängerung geht zu Ende, es gibt mal wieder Elfmeterschießen. Diese Lotterie, bei der die Deutschen eigentlich immer das Quentchen Glück haben. Bayern geht in Führung, wieder großer Jubel als Neuer hält, der Glaube an den Titel ist zurück. Jetzt muss es doch klappen!

Doch es klappt nicht. Olic und ausgerechnet Schweinsteiger verschießen, während Drogba den entscheidenden Elfmeter versenkt. Sofort wird es still, keiner fiebert mehr mit, keiner schreit mehr. Aus, vorbei… Verschenkt… Ein elendiges Gefühl bahnt sich seinen Weg, man ist nur noch fassungslos.
Als ich mich das erste Mal umblicke nachdem ich selbst erst einmal nur noch allein sein wollte sehe ich die gleichen Gesichter wie das ganze Spiel über, aber der Ausdruck ist anders. Keine Freude, kein Glänzen in den Augen. Nur noch absolute Leere. Niemand wütet, es hat keiner mehr die Kraft. Eine emotionale Achterbahnfahrt gipfelt im Absturz. Die Leute sitzen regungslos da, oder stehen ebenso regungslos an den Tischen. Irgendwann fängt der erste an rumzulaufen, und versucht die anderen anwesenden Forumskollegen zu trösten. Wortlos. Mit der Zeit weicht die Ohnmacht, und immer mehr Leute wollen ihre Freunde trösten. Schulterklopfen, wenige Worte fallen.
Mir ist irgendwie nur noch übel, ich fühle mich ausgekotzt und orientierungslos. Am liebsten würde ich mich auf der Stelle eingraben, die Uhr zurückdrehen oder auch wahlweise einfach nur vergessen was gerade passiert ist.

Diejenigen die mit dem Auto gekommen sind machen sich relativ schnell auf den Rückweg. Aus der geplanten durchzechten Partynacht wird nichts. Unser “Mob” löst sich Stück für Stück auf, auf diejenigen Kumpels die im Stadion waren warten wir nicht mehr. Wir wissen auch gar nicht ob sie überhaupt zurückkommen würden. Und selbst wenn, was würde das ändern?
Ein paar bleiben noch länger wie versteinert sitzen, während ich mich mit Marco verabschiede. Sein Zug fährst erst Sonntag früh, aber auf durchmachen hat niemand mehr Lust. Also ab in meine Wohnung, nur noch schlafen. Sofern möglich… Gedanken schießen durch den Kopf, was wäre wenn… Aber letztlich ist es ein Labyrinth ohne Ausgang, man verrennt sich in Gedanken, dreht sich im Kreis. Findet keine Lösung.

Der Sonntag, eigentlich für die Triumphfahrt geplant, ist ein Tag zum vergessen. Irgendwie habe ich ein paar Stunden geschlafen, aber ich fühle mich weiterhin einfach nur miserabel. Kein Bock auf schönes Wetter, die Vorhänge bleiben zu. Irgendwann fängt man an zu realisieren welche historische Chance man verpasst hat. Das Kopfkino kommt zurück, man stellt sich vor wie die Party in München wohl gewesen wäre wenn Bayern gewonnen hätte. Wie “episch” es doch geworden wäre. So sitzt man nur wie betäubt vor dem Fernseher, und vermeidet jegliche Sendung zum Thema CL-Finale. Die Aufzeichnung habe ich selbst noch direkt nach meiner Rückkehr gelöscht, bloß keine Erinnerung.
Die folgenden Tage in der Arbeit sind nicht großartig anders. Zum Glück halten sich die Kollegen, die wissen das ich leidenschaftlicher Bayernfan bin, mit “Beileid” oder irgendwelchen Witzen zurück. Ändert aber nichts daran das man nachwievor neben sich steht, weiterhin nicht wirklich wahrhaben will was am Samstag spät abends passiert ist.

Irgendwann höre ich mal einen Kollegen fragen wie man denn wegen so einem Spiel so emotional sein kann und sogar weint, ich glaube sogar das Wörtchen “dumm” gehört zu haben. Die Frage ging zum Glück nicht an mich, und ich habe auch keinerlei Interesse mich einzumischen. Wie soll man so jemandem sowas auch erklären?
“Ist doch nur ein Spiel”, dieser Satz klingt wie Hohn für jeden Fan mit Herzblut. Egal wo. Es ist viel mehr als “nur ein Spiel”. Jeglicher Erklärungsversuch wieso das so ist ist überflüssig. Emotionale Verbundenheit ist allgemein nur schwer zu erklären. Es ist so wie es ist, wer es nicht selbst erlebt kann es nicht verstehen.

Jetzt, knapp eine Woche später, ist das vergebene Finale immer noch allgegenwärtig. Und das wird es auch bleiben. Ähnlich wie ’99 wird sich dieses Spiel einbrennen. Barcelona ’99 war für mich auch deutlich weniger schlimm, aus verschiedenen Gründen. Ich war damals noch jünger, bei weitem nicht so emotional und fanatisch wie heute. Und ich war damals alleine im Oly, hatte danach nur mit mir zu kämpfen. Dieses Mal erinnere ich mich auch noch an die leeren Gesichter, an die Tränen der Freunde mit denen ich gerne zusammen gefeiert hätte.
Und dennoch möchte ich diesen Tag nicht mehr missen. Ja, wir haben das Spiel verloren. Aber die gemeinsame Vorfreude, das gemeinsame Leiden, sind irgendwie auch Momente die diesen Tag so einzigartig gemacht haben. Alleine die wenigen Minuten zwischen Führung und Ausgleich waren so wahnsinnig geil… Das Wissen das man, wenn man einige bei einem Auswärtsspiel nächste Saison wiedersieht, diese Momente zusammen erlebt hat schweißt einen zusammen. Genau aus diesem Grund spüre ich sogar schon wieder eine gewisse Vorfreude auf eben diese Auswärtsspiele. Und natürlich auch auf die Heimspiele, aber die Auswärtsauftritte sind halt das i-Tüpfelchen.

Was bleibt ist die Hoffnung das die Mannschaft aus diesem Spiel lernt, die Kaltschnäuzigkeit wiederfindet die den FCB die vergangenen Jahre über so ausgezeichnet hat. ’99 und ’01 haben uns gelehrt niemals aufzugeben, diese Einstellung muss wieder zurückkehren an die Säbener Straße. Dann stellt sich auch die Frage nach dem nächsten CL-Finale nicht, nur die Frage nach dem “wann”. Klar wird ein Sieg in naher Zukunft die jetzige Niederlage nicht gutmachen, der Jubel in der Stadt wird vermutlich eine Stufe kleiner ausfallen. Aber wir werden auch diesen Titel richtig feiern, soviel steht fest. Am liebsten im Kreise der Leute mit denen ich auch die Niederlage vor einer Woche erleben durfte, damit ich dieses Glänzen in den Augen auch nach dem Spiel sehen kann, und nicht nur davor.

Jetzt heißt es erstmal die Zeit bis zur nächsten Saison damit zu verbringen seine Wunden zu lecken, wirklich Bock auf Fußball hat man eh erst einmal nicht. Die anstehende EM interessiert mich persönlich nur äußerst gering, Nationalmannschaften sind nicht so mein Ding. Aber spätestens ab Mitte August, wenn der Ball in der Bundesliga wieder rollt, muss man das Finale hinter sich gelassen haben und wieder daran glauben Titel zu holen. Der FC Bayern lässt sich nicht unterkriegen, wir kommen wieder. Jetzt erst recht!

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Kleiner Heißmacher

13. März 2012

Das wird unsere Nacht, ihr Roten!

Bild: CPando used under CC License  /  Text: Marco Thielsch

Die Aufgabe heute Abend ist klar: Einen Rückstand von einem Tor in 90 Minuten aufholen. Manch ein Zauderer gibt mit weinerlicher Stimme zu bedenken, dass es ja ganz schwierig würde, wenn Basel ein Tor schießt. Die würden ja auch so unangenehm spielen, so kompakt, so konterstark. Und überhaupt, wenn das schief ginge heute Abend, wäre ja die ganze Saison gelaufen. Ich will davon nix hören. Ihr Pussys! Mit der Einstellung holst du gar nix, außer vielleicht den Fair Play Preis beim Käthe-Kollwitz-Cup.

Die Champions League ist keine Veranstaltung für Zweifler und Konjunktivjongleure. Wir gehen da heute Abend raus und hauen die weg! Brust raus, Bauch rein und Haltung annehmen Freunde! Die rote Horde nimmt sich, was ihr zusteht. Das ist unser Stadion, unser Spiel, unsere Nacht. Und jetzt geht da raus und zeigt unsere Farben, hisst unsere Fahnen und singt unsere Lieder! Zeigt ihnen was es heißt vom ruhmreichen FC Bayern München zu sein. AUF GEHT´S IHR ROTEN, KÄMPFEN UND SIEGEN!

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Heute vor 5 Jahren: Roy Makaay und das 10 Sekunden Tor gegen Real Madrid

7. März 2012

Das unvergessene Tor-Phantom Roy Makaay

Bild: probek (Flickr / Twitter / Blog) used under CC License  /  Text: Marco Thielsch

Der 07.03.2007, ein Tag, der in die rot-weiße Geschichte eingegangen ist. Das Champions League Achtelfinal-Rückspiel gegen Real Madrid in München steht an. 3:2 hatten wir das Hinspiel in Madrid verloren, in einem Spiel, in dem sich ganz Madrid phasenweise zurück auf dem Fußball-Olymp gewähnt hatte, aus dem wir aber letztendlich mit einer brachialen Willensleistung mit einem guten Ergebnis für das Rückspiel hervorgingen. Ich sage nur van Bommel, die legendäre Faust, la bestia negra!

Real fuhr siegessicher zum Rückspiel nach München an diesem 07.03.2007. Doch jeder Rote spürte, heute liegt was in der Luft, man konnte die Spannung mit Händen greifen. Je näher der Anstoss rückte, desto größer wurde die Anspannung, jede Phaser im Körper war geil auf dieses Spiel. FC Bayern München gegen Real Madrid, die geilste Mannschaft der Welt gegen unfassbare Einzelspieler. KO-Runde. Alles kann passieren an so einem Abend. Also legst du dein Schicksal in die Hände des Fußballgottes, betest für deine Mannschaft und gibst dich ihr hin, dieser grenzenlosen Anspannung, diesem Wahnsinn. Und wenn der Anpfiff nach immer endloser werdenden letzten Minuten vor dem Spiel endlich ertönt, bist du schon fast nicht mehr bei Bewusstsein vor undefinierbar durch dich durch rasender Energie.

Eine unfassbare Stimmung liegt über dem Stadion, als der Schiedsrichter die Partie anpfeift, während du gerade den ersten und letzten klaren Gedanken des Tages hattest: Ein 1:0 würde ja schon reichen. Ein verdammtes, verficktes 1:0 würde schon reichen! Anstoss durch Real Madrid. Der Ball wird schlampig auf ihre linke Seite zu Roberto Carlos gespielt. Unsere Roten stürmen wie von der Tarantel gestochen in die Hälfte der Madrilenen, allen voran der wahnsinnige Brazzo, der Roberto Carlos sofort unter Druck setzt. Dieser weiß seine brasilianische Herkunft in diesem Moment erfolgreich zu verbergen, ihm verspringt ob des Schreckes eines Salihamidzic mit Schaum vor dem Mund die Kugel unglücklich. Brazzo lässt sich nicht zweimal bitten, nimmt ihm die Kugel ab, bricht auf der rechten Seite durch die spanischen Verteidigungslinien bis zum Strafraumeck durch, legt die Murmel quer auf den einzigartigen, unvergessenen Roy Makaay, der in gewohnter Manier kalt wie eine Hundeschnauze den Ball mit einer Berührung mit der Innenseite am verduzten Iker Cassilas vorbei links unten im langen Eck platziert.

10 Sekunden vom Anpfiff bis zum ersehnten Treffer. 10 Sekunden von zerberstender Anspannung bis zu einer Atombomben-Explosion im Stadion. Emotionen für die Ewigkeit. Sollte es stimmen, dass ein Mensch kurz vor seinem Tod nochmal die wichtigsten Stationen seines Lebens im Schnelldurchlauf vor dem geistigen Auge vorbeirasen sieht, so wird dieser Moment mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit bei jedem Roten, der das damals erleben durfte, mit dabei sein.

Am Ende gewann der ruhmreiche FC Bayern München mit 2:1 und hinterließ zerstörte Madrilenen, die wieder einmal an der schwarzen Bestie aus München scheiterten.

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Von Schein und Sein des FC Bayern München

4. März 2012

…ich mach mir die Welt widdewiddde wie sie mir gefällt… (inoffizielles Vereinslied)

Bild: allthecolor used under CC License  /  Text: Marco Thielsch

Freunde, diejenigen von euch, die diesen Blog schon seit Jahren verfolgen wissen, mit welch klaren Worten ich bestimmte Entwicklungen im Verein seit je her angeprangert habe. Die unfassbare Jahreshauptversammlung 2007, die Spaltung des Vereins durch die Verpflichtung von Jürgen Klinsmann, die sportliche Hinrichtung des Michael Rensing, die sportliche Hinrichtung des Thomas Kraft, der selbstherrliche Umgang mit Louis van Gaal, die erneute Spaltung des Vereins durch die Verpflichtung von Manuel Neuer, der Umgang des Vereins mit den Protesten der Kurve, um nur einige wenige Beispiele zu nennen. Und immer habe ich vor den langfristigen Folgen all dieser Dinge gewarnt, habe auf die immer realitätsfremder werdende Sichtweise unserer Vereinsspitze hingewiesen. Und ich habe einen Punkt vorausgesagt, an dem all dies unseren hohen Herren um die Ohren fliegen wird.

Viele haben genau das nicht für möglich gehalten, zu sicher schienen die Herren Hoeneß, Rummenigge und Co. im Sattel zu sitzen. Zu blind wurde ihnen vom gemeinen Volk zugejubelt. Dass dieser Jubel aber zu großen Teilen auf puren Opportunismus beruhte, das haben weder die Vereinsbosse verstanden, denen er in unendlichem Maß zu Kopf stieg, noch haben es die Kritiker verstanden, die sich ein bißchen zu sehr in einem Kampf gegen Windmühlen wähnten. Opportunismus hat nunmal die Eigenschaft in dem Augenblick umzuschlagen, an dem es opportun erscheint dies zu tun. Das gilt für die Heerscharen der Erfolgsfans und Klatschaffen genauso wie für die gemeine Presse.

An diesem Punkt, an dem alles umschlägt, an dem die gravierenden Fehler unserer Vereinsspitze nicht mehr von sportlichem Erfolg, blindem Jubel und dem Rausch der Selbstbeweihräucherung verdeckt werden, an diesem Punkt sind wir nun angekommen.

Ich bin nicht so naiv, irgendwelche Köpfe an der Vereinsspitze rollen sehen zu wollen. Das wird nicht passieren. Und bei allem Ärger, bei dem man sich vielleicht im ersten Moment auch gewünscht hatte, der ein oder andere würde seinen Hut nehmen, bin ich gar nicht so sicher, ob ich das will. Aber eins will ich sicher, nämlich das was viele wollen, das was so plakativ mit “ich will meinen alten FC Bayern zurück” umschrieben wird. Nicht im Sinne eines Nostalgikers, der mit verklärtem Blick die Vergangenheit überhöht und dabei die Gegenwart mißachtet. Sondern im Sinne eines Menschen, der die Ideale dieses Vereins so viele Jahre in Ehren gehalten, für sie gekämpft und sie in vielen Teilen zu seinen eigenen Idealen gemacht hat.

Das was diesen “alten FCB” mal ausmachte, das ist das Werk der gleichen Leute, die noch heute an den Schalthebeln der Macht im Verein sitzen. Ich bin nicht der Überzeugung, dass das was mal so unendlich gut war, was mich selbst so unendlich inspirierte, ins komplette Gegenteil umschlagen und unendlich schlecht werden kann. Die Geschichte des FC Bayern der letzten Jahre ist nicht die Geschichte vom Paulus zum Saulus. Ich bin der festen Überzeugung, dass die Vereinsführung zwar an jedem Tag das Beste für den FCB wollte und will, aber dass sie sich irgendwo zwischen dem Mammutprojekt neues Stadion, dem teuflisch gefährlichen Rausch des Sommermärchens und der daraus resultierenden Zielgruppenerweiterung, sowie im Rausch des Geldes und des Applaus selbst verloren haben. Ihre Denkweise und ihre Handlungsweise was Transfers betrifft, was Trainerverpflichtungen betrifft, was den Umgang mit Trainern betrifft, was den Krieg gegen die eigenen Fans betrifft, all das ist nicht die Krankheit, sondern sind die Symptome der Krankheit.

Die Krankheit ist am besten mit dem altmodischen Begriff Großmannssucht zu beschreiben. Natürlich leben wir rein finanziell nicht über unsere Verhältnisse, was dieser Begriff auch impliziert. Aber wo früher noch das Sein das alles entscheidende Kriterium unserer Vereinsführung war, da ist es heute vor allem der Schein. Das ist in allen Handlungen des Vereins maßgeblich. Und genau darin liegen die haarsträubenden Fehler der letzten Jahre begründet.

Was muss jetzt passieren? Alles beginnt in unserer Führungsetage! Dort muss dringend eine gesunde Selbstreflexion einkehren. Warum haben wir in den letzten zehn Jahren sage und schreibe sieben Trainer verschlissen? Wie konnte es zu diesem Bruch des Vereins mit der hiesigen Fanszene, mit gerade denen, denen der Verein am meisten am Herzen liegt kommen? Ist es sinnvoll, nach jeder titellosen Saison blindlinks Unsummen in die Mannschaft zu stecken nur um sich ein Jahr später auf die Schulter zu klopfen und sich zwei Jahre später zu wundern, warum man wieder am Ausgangspunkt angekommen ist? Darf das Erschließen neuer Zielgruppen zum Zweck der Umsatzmaximierung auf Kosten der Basis des Vereins und deren Wünsche und Nöte gehen? Warum schaffen es Vereine mit viel geringeren finanziellen Möglichkeiten das Maximum aus diesen herauszuholen und warum haben diese Vereine keinerlei Grund mehr, Spiele gegen uns von vornherein abzuschenken? Wieso haben die einen fußballerischen, taktischen und strukturellen Plan und wir nicht? Wieviel Potenzial verschenken wir dadurch?

Die Liste der Fragen, die sich die Vereinsspitze dringend selbst zu stellen hat, ist endlos. Spätestens im Sommer muss ein radikales Umdenken einkehren beim FCB und die verantwortlichen Leute müssen dringend hart mit sich selbst ins Gericht gehen. Und dann müssen endlich Weichen gestellt werden, nach denen wir fußballerisch und vor allem auch menschlich zusammen (!) in die Zukunft gehen können. Ansonsten werden wir fußballerisch noch mehr den Anschluss an die Moderne verlieren und werden menschlich eine zerrüttete Bayern-Familie sein. Die hohen Herren sind seit Jahren, aber leider immer noch in zunehmendem Maße, mit Eifer dabei mit dem Arsch einzureissen, was sie mühselig mit den Händen aufgebaut haben. Ich halte die aktuelle Situation für die allerletzte Chance zur Selbstreflexion für unsere Vereinsführung. Wenn sie jetzt nicht begreifen, wird ihr Denkmal irreperablen Schaden nehmen, der Schein ist dahin und das Sein bedarf vieler mühselige Jahre der Aufbauarbeit, in denen man fassungslos auf das Potenzial und die Möglichkeiten der heutigen Zeit zurückblicken und nicht verstehen können wird, wie und warum man diese Chancen verstreichen ließ.

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27.02.1900 – 27.02.2012 – 112 Jahre FC Bayern München

27. Februar 2012

Gründungsurkunde des FC Bayern München

Die Vöglein im Walde, sie singen so wunder, wunderschön. Der FC Bayern, der FC Bayern wird niemals untergehn!!

112 Jahre hat der ruhmreiche FC Bayern München seit heute auf dem Buckel. Gute 25 Jahre davon ist dieser Verein ein, wenn nicht der Mittelpunkt meines Lebens. Seit ich denken kann, schlägt mein Herz rot. Viele von euch werden den unendlichen Pathos verstehen, der mich heute noch mehr als jeden Tag durchströmt. Lasst uns an diesem Tag die Gläser erheben und auf die großartige Geschichte unseres Vereins anstoßen. Auf das noch viele Generationen nach uns fühlen mögen, was wir fühlen. Vieles ändert sich, doch Bayern München überstrahlt alles! FCB bis zum letzten Atemzug!

Helme ab zum Gebet, Soldaten!

Gründung des FC Bayern:

Am 27. Februar 1900 fand im Gasthaus „Bäckerhöfl“ eine Sitzung der Fußballabteilung des MTV München 1879 statt. Da es zu einem Streit über die Weiterentwicklung der Fußballabteilung kam, einigten sich die Parteien auf eine friedliche Trennung. Um 21:30 Uhr verließen elf Männer, Nägele, Schmid, Karl, Wamsler, Ringler, Focke, Francke, Friedrich, Zöpfel, Pollack und John das Lokal und fanden sich im Restaurant „Gisela“ in Schwabing ein, um noch am selben Abend den FC Bayern zu gründen. Den Vorsitz führte Franz John, der auch der erste Vorsitzende in der Geschichte der Bayern werden sollte.

Obwohl auf der Gründungsurkunde 17 Namen zu lesen sind, wurde diese am 27. Februar 1900 nur von elf Herren unterzeichnet. Die restlichen sechs wurden später hinzugefügt. Diese Tatsache geht aus einem Schreiben Johns hervor, in dem er die Geschehnisse des Abends schildert. Der Mitgliedsbeitrag wurde auf eine Goldmark festgesetzt. Als ersten Trainingsplatz bekam der Verein von der Stadt den heute noch existierenden Schyrenplatz zur Verfügung gestellt. Der erste Gegner war der 1. Münchner FC und nicht wie in anders lautenden Überlieferungen angegeben der MTV München. Das Spiel, das der FC Bayern mit 5:2 gewann, fand im März 1900 statt. Es stießen sehr schnell weitere Spieler zum Verein, so unter anderem drei Spieler des TSV 1860 München. Im Frühjahr 1900 schenkten die Geschäftsleute Wamsler dem FC Bayern ein Grundstück an der Clemensstraße als Spielstätte.

Einen sehr schönen Text über die frühen Jahre des FC Bayern München findet ihr unter:

Teil 1: http://www.spox.com/myspox/group-blogdetail/0,156332.html

Teil 2: http://www.spox.com/myspox/group-blogdetail/0,156322.html

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Eine Krise wäre ein Sprint, doch wir laufen einen Marathon

23. Februar 2012

Wild und weise müsst ihr sein.

Bild: biphop used under CC License  /  Text: Marco Thielsch

Überall kann man es lesen, das böse Wort Krise im Zusammenhang mit unserem FCB. Dabei ist die Beschreibung der Symptome dieser Krise meist sehr diffus. Ja, wir haben Probleme. Aber die sind in weit höheren Etagen zu finden, als dort, wo sie zur Zeit noch gesucht werden. Der Fisch stinkt vom Kopf her.

Spielerische Krise:

Jupp Heynckes war nach eigener Aussage angetreten, die Abwehr zu stabilisieren und vorne durch mehr Positionswechsel variantenreicher zu spielen. Das war sein Konzept. Klingt sinnvoll, ist aber wenig bahnbrechend und nicht dazu geeignet, uns spielerisch ins neue Jahrzehnt zu führen. Jupp Heynckes geht keinerlei Risiken ein, wir spielen immer das selbe System, die Auswechslungen sind immer die selben, der Kader könnte auch aus 14 Mann bestehen, zum Einsatz kommen eh immer die gleichen Spieler. Ist das überraschend? Wenig. Jup Heynckes wurde verpflichtet als Verwalter, als jemand der nicht aneckt, jemand, dem man anscheinend noch einen Gefallen schuldig war, nachdem man ihn Anfang der 90er gefeuert hatte. “Ruhiges Fahrwasser” versprach man sich von ihm. Das haben wir aber sowas von bekommen, Freunde. Wenn wir noch ruhiger fahren, schlafen wir ein.

Die hohen Herren in unserem Verein wollten es sich schön gemütlich machen, nachdem ihnen Louis van Gaal so viele Nerven kostete. Dabei wurde die Entwicklung im Fußball komplett verschlafen. Es kommt nicht von ungefähr, dass es Mannschaften mit weit geringeren finanziellen Mitteln und weit weniger talentiertem Spielermaterial reihenweise schaffen, uns auf dem Platz zu decodieren. Wo ist die Risikobereitschaft in der Spitze unseres Vereins? Wo ist die Vision, einen Trainer zu verpflichten, den man endlich mal in Ruhe arbeiten lässt, der die Mannschaft taktisch weiterbringt und der eine klare Handschrift auf den Platz bringt? Heynckes war dieser Mann nicht. Und das Schlimme: Er sollte es auch gar nicht sein. Kein Risiko. Aber dann wundern, wenn sich die Null-Risiko-Mentalität auf dem Platz in der Spielweise der Mannschaft wiederspiegelt.

Womit wir beim nächsten Punkt wären.

Die Doppelmoral der Vereinsführung:

Ausgerechnet jetzt ist es so ruhig um den Trainer, wie es in vergleichbaren Situationen bei keinem einzigen Trainer war. Ausgerechnet der, der nur verwaltet, von dem man nicht erwarten kann, dass wenn man ihm nur Zeit gibt, da etwas wirklich Neues entstehen könnte, ausgerechnet der ist unantastbar. Versteht mich nicht falsch, Heynckes jetzt in Frage zu stellen, würde nichts besser machen. Aber wenn ich an “Fußball ist keine Mathematik” oder an gewisse Sky-Auftritte unseres Präsidenten denke, dann kann ich das Handeln unserer Vereinsspitze einfach nicht nachvollziehen. Das ist zweierlei Maß, wie so oft in den letzten Jahren. Da wird Thomas Kraft nach einem Fehler förmlich zerlegt, nach viel mehr Fehlern genießt Manuel Neuer Welpenschutz. Da wird vor ein paar Jahren über Gazprom wüst hergezogen, um sich heute mit ihnen an einen Tisch zu setzen. Da wird was von Defiliermarsch gefaselt und am Ende doch wieder den Kätzchen geholfen, wo es nur geht. Hintenrum mit Tricks versteht sich. Da wird das Internet als Mittel zur freien Meinungsäußerung verteufelt und auf der anderen Seite eben über jenes mit haarsträubenden Methoden Zielgruppendaten gesammelt und ausgewertet. Man muss ja seinen zahlungskräftigen, aber bitte unkritischen “12. Mann” genau kennen, während man aber gegen den wirklichen 12. Mann, dem Fan in der Kurve, einen regelrechten Feldzug führt. Die Beispiele für die Doppelmoral im Verein wären sicherlich abendfüllend.

Vieles läuft zur Zeit extrem falsch beim FC Bayern München. Das wenigste hat dabei mit einem 3. Platz in der Bundesliga oder einem verlorenem Achtifinal-Hinspiel in der Champions League zu tun. Wenn man diese Saison an Titeln misst, dann ist da längst nicht alles verloren, alles halb so wild. Wenn man aber den Grad an Stagnation und Selbstherrlichkeit im gesamten Verein nimmt, dann ist diese eine weitere verlorene Saison, egal ob wir Titel holen, oder nicht.

Ich persönlich erwarte nicht mehr, dass in absehbarer Zeit die Weichen an der Spitze des Vereins endlich in eine gesündere Richtung gestellt werden. Für die Mannschaft ist das schade, denn diese Truppe befindet sich zu großen Teilen gerade im besten Alter und mit etwas mehr Aufbruchstimmung im gesamten Verein würden die Karrieren jedes einzelnen Spielers wesentlich steiler verlaufen, denn als Protagonisten in einem ziemlich planlosen großen Ganzen.

Für uns Fans ist diese Situation ebenfalls eine große Herausforderung. Unangenehme Wahrheiten müssen ausgesprochen werden, auch in einem Klima, in dem kritische Stimmen schnell völlig diskreditiert werden. Aber wir dürfen das große Ganze nicht aus den Augen verlieren. Wut, Enttäuschung und negative Gefühle dürfen nicht die Oberhand gewinnen, zusammenhalten ist mehr denn je oberstes Gebot. Seid wild mit Weisheit, ihr Roten! Diese Situation ist kein Sprint, sie ist ein Marathon.

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Die Ruhe vor dem Sturm vor den ersten rot-weißen Wochen der Wahrheit 2012

14. Februar 2012

Ambiente Allianz Arena

Bild: probek (Blog / Twitter / Fotos) used under CC License  /  Text: Marco Thielsch

Man merkt es dieser Woche an. Unsere Roten haben zwei Spiele hintereinander gewonnen und schon ist es wohltuend ruhig um den FC Bayern München. Die Presse hat kaum etwas bis nichts zu vermelden, wir Fans sind nicht unzufrieden und der Verein selbst hat auch schon fast zwei Tage der Woche unfallfrei ohne diskussionswürdige Material zu liefern überstanden. Wir können alle miteinander mal kurz durchatmen, bevor ab der Partie am Samstag in Freiburg der Papst zum ersten Mal in dieser Saison so richtig im Kettenhemd steppt.

In der Champions League haben wir mit Basel einen ziemlich unangenehmen Gegner vor der Brust. Das könnte eine weit schwierigere Aufgabe für uns werden, als sich manch einer zur Zeit möglicherweise ausmalt. Das werden zwei nervenaufreibende Spiele werden, da lehne ich mich mal aus dem Fenster. Europapokal pur, Freunde! Was Schöneres gibt es nicht! Und wir werden siegen!

In der Bundesliga stehen auch ein paar schwere Begegnungen an. Nach einem hoffentlich nur kleinen Warm Up in Freiburg kommen die Schalker Orks in die heimische Kampfarena. Da können wir dann schon mal die erste Mannschaft mit einem Sieg aus dem Meisterschaftsrennen (zumindest vorerst) verabschieden. Danach müssen wir nach Leverkusen. Nicht, dass das zur Zeit Angst und Schrecken verbreiten würde, nach Leverkusen zu müssen, so muss man trotzdem ja immer damit rechnen, dass die an einem Tag gegen uns plötzlich wieder das Fußball spielen anfangen.

Es werden spannende Wochen, ihr rot-weißen Glaubensbrüder. Hier alle Termine, die bereits terminiert sind im Überblick:

22. Spieltag 18.02.2012
Auswärts gegen SC Freiburg – Anpfiff 18:30

Champions League Achtelfinale 22.02.2012
Hinspiel Auswärts gegen den FC Basel – Anpfiff 20:45

23. Spieltag 26.02.2012
Zuhause gegen FC Schalke 04 – Anpfiff 15:30

112. Geburtstag des ruhmreichen FC Bayern München 27.02.2012

24. Spieltag 03.03.2012
Auswärts gegen Bayer Leverkusen – Anpfiff 15:30

25. Spieltag 10.03.2012
Zuhause gegen 1899 Hoffenheim – Anpfiff 15:30

Champions League Achtelfinale 13.03.2012
Rückspiel Zuhause gegen den FC Basel – Anpfiff 20:45

26. Spieltag 17.03.2012
Auswärts gegen Hertha BSC – Anpfiff 18:30

DFB Pokal Halbfinale 21.03.2012
Auswärts gegen Borussia M´Gladbach – Anpfiff 20:30

27. Spieltag 24.03.2012
Zuhause gegen Hannover 96 – Anpfiff 15:30

Auf geht´s ihr Roten, kämpfen und siegen!

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