Totengräber Sommermärchen

Der Letzte macht das Licht aus.
Bild: onnola used under CC License / Text: Heiko Nieft
Es ist schon irgendwie merkwürdig… Wieder wird es Herbst, und wieder mehren sich die Fragen ob sich der ganze Scheiß eigentlich noch lohnt. Dieses immer* ins Stadion gehen, dieses auswärts fahren, dieses Leiden bei Niederlagen, diese Unterstützung für alte Werte deren Sinn allmählich komplett flöten geht. Wieder wird es Herbst, und wieder steht die nächste Jahreshauptversammlung vor der Tür. Und Jahr für Jahr stellt sich einem die Frage: wie oft bin ich noch dabei? Wie oft lasse ich mich noch verarschen, in die Eier treten, für dumm verkaufen und öffentlich vorführen? Wie oft habe ich noch diesen gottverdammten Glauben daran das irgendwann einmal Schluß ist und die Leute merken welche Scheiße sie seit Jahren anstellen. Diese absolut hirnrissige Idee…
Manch einer mag sich jetzt fragen was denn überhaupt passiert sei. Daher als Erklärung für diejenigen die es ggf. noch nicht mitbekommen haben.
Vergangenen Freitag flatterte mir, und allen weiteren Jahreskartenbesitzern in 112/113, ein Schreiben des FC Bayern zu in dem uns erklärt wurde dass das mit der Überbelegung der Südkurve jetzt nun wirklich nicht mehr ginge, und man daher gezwungenermaßen (der Verein will das ja eigentlich gar nicht, agiert selbstverständlich nur in vorauseilendem Gehorsam) den Zutritt zu den Blöcken 112/113 bei CL-Spielen zukünftig streng reglementieren müsste. Mit nem schicken Check-In-Schalter, Ein- und Auslasskarten und so nem Rotz… Ich gehe nicht zu sehr in die Details, denn darum soll es hier eigentlich gar nicht gehen.
Auf jeden Fall zeigt dieser Schritt einmal mehr welchen fatalen Weg einige Vereine, und insbesondere der FC Bayern (einmal mehr Branchenprimus – darauf sollte man anstoßen), eingeschlagen haben. Das der FC Bayern dieses umstrittene Papier “Sicheres Stadionerlebnis” ohne murren unterschrieben hat, geschenkt. Wer etwas anderes erwartet hatte muss die letzten Jahre im Dornröschenschlaf verpasst haben.
Es geht mir vielmehr um die stetige Distanzierung zu den treuen Fans, zu den Leuten die seit Jahren die Stimmung in die Stadien bringen für die Deutschland inzwischen selbst auf der Insel (also dem Mutterland des Fußballs) beneidet wird. Es geht darum was sich in den vergangenen Jahren alles geändert hat.
Und somit kommen wir zum Sommermärchen, in meinen Augen das schlimmste Ereignis das der Fankultur passieren konnte. Seitdem ist Fußball gesellschaftsfähig, es ist “in” mit Geschäftspartnern oder der gesamten Großfamilie zum Fußball zu gehen – wobei dann der Sport selbst eher die hässliche Nebenrolle abkriegt anstatt die grandiose Hauptrolle zu spielen – quasi Cindy aus Marzahn statt Angelina Jolie. Zu verlockend sind die Fanshops in den (Multifunktions)Arenen, zu beständig herrscht der Drang vor sich etwas zu essen zu kaufen, sich die Beine zu vertreten oder einfach nur vom Platz fliehen zu müssen weil gerade ein Regentropfen den Weg auf den Sitzplatz gefunden hat.
Seitdem die Vereine begriffen haben das diese Leute mehr Geld im Stadion lassen ist das die neue Zielgruppe. Der heilige Gral des Fußballs. Die “Mona Lisa” mit Augenbrauen, Utopia in der Realität. In einem Comic würden den Herren Vorstände just in diesem Moment die Dollar-Zeichen in den Augen stehen.
Früher, und damit meine ich die Zeit die in München ca. 7 Jahre zurückliegt, hatte es selbst der FC Bayern noch nötig an Schulen Freikarten zu verteilen um die “olle Schüssel” namens Olympiastadion halbwegs zu füllen – insbesondere in den kälteren Monaten (und damit meinte man damals Ende September bis Ende April). Da konnte man in der Halbzeit noch ne Schneeballschlacht veranstalten oder versuchen Weihnachtsmädels in Audi-Cabrios zu treffen. Oder, ganz verrückt, sich selbst seinen Platz in der Fankurve suchen – die damals auch wirklich noch ne Kurve war, mit mehreren Blöcken nebeneinander und so. Total verrücktes Zeug also.
Heute bekäme man für die Schneeballschlacht garantiert Stadionverbot, die Audi-Cabrios stehen jetzt sowohl vor der Arena als auch in einem extra Showroom im Stadion, und die freie Platzwahl bedeutet ob man in Block 112 oder doch lieber in Block 113 stehen will.
Dazwischen gab es eine WM im eigenen Land, die einen Hype auslöste der seines gleichen sucht und zukünftig suchen wird. Seitdem sind die Arenen dauerhaft ausverkauft, Jahreskarten sind wertvolle Schätze geworden (die sich auf Auktionsplattformen schnell in bare Münze wandeln lassen), und die Anfragen für Tickets gleichen einer Lotterie. Es spielt also de facto für die Vereine, und exemplarisch für den FC Bayern, überhaupt keine Rolle mehr WER ins Stadion geht. Stimmung ist nicht mehr wichtig, zur Not kommt sie eh vom Band. Hauptsache die Bude ist voll, und der Rubel rollt. Vorzugsweise mit Sitzplätzen. Wenn 200 Leute keine Lust mehr haben stehen bereits neue 1000 Leute Schlange, und zahlen dafür so gut wie jeden Preis.
Der feuchte Traum eines jeden Geschäftsmannes. Angebot und Nachfrage regeln den Preis, und der kennt seit Jahren eh nur noch eine Richtung. Entweder dank ausgewürfelter Topspielzuschläge, oder durch teurere Jahreskarten. Das dabei manch einer auf der Strecke bleibt, ja mei… Das Leben ist ne Schlampe, komm damit klar oder lass es sein.
Die Vereine sehen es als großzügig an das sie überhaupt noch Stehplätze zu günstigen Preisen anbieten, man darf froh darüber sein ins Stadion zu dürfen! Da hat man gefälligst seine Fresse zu halten, und nicht wahnsinnige Forderungen nach Blockfreiheit o.ä. zu stellen! Und überhaupt die Sicherheit, die ist ja inzwischen das höchste Gut und auf einmal werden halt Regeln durchgesetzt die seit Jahren konsequent gebrochen und gebeugt wurden – und vom Verein stillschweigend akzeptiert wurden. Fanblöcke sind nicht erst seit gestern “überbelegt”, Leute werden nicht erst seit gestern geschmuggelt. Das gab es bereits im Olympiastadion, und war sogar erheblich einfacher als heute. Aber heute zählt das Saubermannimage, bloß nicht die neue Klientel vergraulen. Sponsoren stehen auch eher auf die Leute die bei verblödeten “Halt diese Pappe hoch und gewinne irgendeinen Dreck”-Aktionen mitmachen, und das zieht in den Fanblöcken seit jeher nicht so richtig.
Daher muss man jetzt feinsäuberlich protokollieren wer mit seiner Karte wie oft Zutritt zu 112/113 verlangt, noch nur für die Champions League (aber dass das System von heute auf morgen auch auf die Bundesliga angewendet werden kann liegt auf der Hand, und wird auch geschehen). Und man muss zig Diskussionen führen. Über Fans, deren Verhalten, wie man sie am besten in den Griff kriegt – aber bitte immer OHNE die Fans selbst. Wäre ja auch zu einfach die auch noch zu Wort kommen zu lassen und so möglicherweise den Wandel zu behindern.
Und als sei all das noch kein Tiefschlag genug kommt dann auch noch die Hiobsbotschaft das wohl weitere Anteile an der FC Bayern AG an irgendeinen Kommunikationsriesen verkauft werden. Aber hey, der FC Bayern ist ja liquide, hat sein Festgeldkonto und ist nicht auf finanzielle Hilfe von aussen angewiesen.
Womit wir wieder am Anfang wären. Jedes Jahr im Herbst gibt es neue Aufreger, und ich werde den Verdacht nicht los der FC Bayern hat sich gehörig bei der Politik bedient. Wichtig ist nicht mehr was gesagt wird, viel wichtiger ist das was NICHT (öffentlich) gesagt wird. Wirf den Hunden einen Knochen hin, und erzähle dann kurze Zeit später genüsslich wie man gleichzeitig ein saftiges Steak in Ruhe zubereiten konnte. Oder aktuell: erfinde ein völlig blödsinniges Check-In-Verfahren, und hintenrum fädelt man den nächsten Millionen-Deal ein. Das sich die Fans erst vor kurzem bereits darüber echauffiert hatten Anteile an Audi zu verkaufen? Interessiert keinen. Wichtig ist nur das man die Leute vor vollendete Tatsachen stellt. Man stiftet Verwirrung mit etwas scheinbar banalem, so hat man seine Ruhe für das dicke Ding.
Wir rasen ungebremst in Richtung englische Verhältnisse. Und die Vereine ignorieren jegliche Warnungen, Anzeichen, sind zu stur um einmal den Blick auf die Insel zu werfen und zu sehen was dort passiert ist. Und sollte einer doch mal hinsehen sieht er nur das viele Geld das fließt. Die Fans werden für die Vereine erst wieder dann interessant wenn sich der Hype legt, die Stadien nicht mehr ständig ausverkauft sind und Leute gebraucht werden die zwar wenig, aber immerhin verlässlich Geld an den Verein zahlen. Dann wird man als Fan vllt. mal wieder am “längeren Hebel” sitzen, und nicht jeden Dreck akzeptieren müssen. Das hat nichts mit Erpressung zu tun, sondern mit dem Umgang der Vereinsmitglieder, die letztlich einen Verein überhaupt zum Verein machen.
Wie lange es bis zu diesem Punkt dauert, keine Ahnung. Man kann nur hoffen das es in der Zwischenzeit kein weiteres großes Turnier in Deutschland gibt. Sonst fängt dieser ganze Scheiß von vorne an. Und andere Leute fragen sich Herbst für Herbst wie oft sie sich noch in die Eier treten lassen wollen. Wobei wohl eher zu befürchten ist das selbst diese Fragen dann nicht mehr auftauchen, sondern komplett abgetötet wurden. Von einem weiteren Sommermärchen – oder wann auch immer dann eine WM stattfindet.
immer* = mit immer will ich mich nicht zum Allesfahrer erklären, der bin ich nicht. Werde ich wohl auch nie sein. Aber mindestens alle Heimspiele sind Pflicht, unabhängig vom Wettbewerb. Daher bezieht sich das “immer” in diesem Fall “nur” auf die Heimspiele.
Qiumi.de Medienkritik – Arroganz, Millionarios und Hans Sarpei
Qiumi.de Medienkritik – Jetzt wird zurückgeschossen!
Duselbayern? FC Hollywood? Ekstatische Kommentatoren, wenn Bayern München mal nicht gewinnt? Die Mitglieder des Bayernboards von www.qiumi.de nehmen sich die Medien zur Brust, wenn sie Unsinn über unseren ruhmreichen FC Bayern München verbreiten, oder mal wieder einfach nur stupide sind. Jetzt wird zurückgeschossen!
Heute: Arroganz, Millionarios und Hans Sarpei von bayern.qiumi.de User SCVe-andy
Kaum einer kann sich von folgender Situation freisprechen. Auf der Straße sieht man schon von weitem das Blaulicht mehrere Feuerwehr- und Krankenwagen, ein Hubschrauber setzt zur Landung an. Jeder weiß, da ist etwas schlimmes passiert. Besser, man guckt nicht hin. Man macht es trotzdem…
Ähnlich verhält es sich bei der Kommentarfunktion diverser Online-Medien und insbesondere auch bei Facebook und natürlich bleibt König Fußball da nicht außen vor. Man hätte besser nicht gelesen! Ein Beispiel vom vergangenem Wochenende zeigt dies eindrucksvoll.
Der kicker berichtet auf seiner Facebook-Seite über das Spiel der Bayern in Bremen. Ein typischer Bericht im kicker-Stil, da gibt es nicht viel zu meckern. Aber um eine Diskussion anzuheizen wird die Frage gestellt, wer den FC Bayern wohl überhaupt stoppen kann? Nun gut, diese Frage ist auch schon absurd. Sie fordert geradezu dazu auf, wenig geistreiche Antworten zu geben. Andererseits hätte der kicker auch jede andere Frage stellen können – die Antworten wären genauso sinnlos gewesen.
Okay – man muss einige User herausnehmen. Es kommen durchaus logische Antworten auf diese Frage. “Keiner” könne die Bayern stoppen oder “der FCB kann sich nur selbst stoppen”. Angenommen! Auch User, die anführen, dass die Saison noch lang ist und dass der FC Bayern auch in der letzten Saison einen satten Vorsprung hatte sind okay und wenn man es dem zweimaligen Meister Dortmund zutraut, den Abstand nochmal aufzuholen – ist auch akzeptiert. Die Anzahl dieser vernünftigen Posts liegt aber höchstens bei 10 Prozent.
Kommen wir aber zu den sinnlosen Posts. Ganz eilige Zeitgenossen haben einen irren Spaß daran, den allerersten Kommentar abzugeben. “Erster” heißt es dann ganz intelligent und zumindest da ist man zurzeit ja auf Augenhöhe mit den Bayern. Macht diese Einträge aber nicht besser.
Nicht fehlen beim Thema Bayern darf die Totschlag-These “Arroganz”: Ja! Felix ist Quälix, Sammer ein Motzki und Bayern ist arrogant. Passt immer! Nach Argumenten, die diese These stützen, sucht man vergebens. Bayern ist einfach arrogant – basta. Bestätigt wird diese These durch 23 “Likes”. Wer hier nicht “Gefällt mir” drückt, ist entweder Bayern-Fan oder hat von Fußball keine Ahnung.
Natürlich fehlen auch diese Leute nicht, die völlig am Thema vorbei, Werbung für irgendwelche Seiten im Netz machen. “Bitte liked für Reus und Götze, Traumpaar in Deutschland” oder “Liked doch alle mal für Lewis Holtby, weil der so süüüüüß ist”. Bayern-Bezug? Warum das denn in einen Text, in dem es um Bayern geht?
Viele finden die ganze Fußball-Diskussion auch total unnötig. “Habt ihr keine anderen Sorgen als Fußball”, heißt es dann. Ja, möchte man zurückschreiben, “warum liest Du Dir dann einen Bericht vom kicker und die Kommentare durch?” Seltsam.
Und dann natürlich Hans Sarpei. Ja, wer sollte die Bayern wohl stoppen? Natürlich der Hans. Ein Running Gag mit gehöriger Muskelkater-Gefahr. Man kann mittlerweile drauf wetten: In einer Internet-Diskussion gibt es zwei Themen, die auf kurz oder lang immer vorkommen: Nazis und Hans Sarpei!
Manchmal wünscht man sich die gute Zeit der Leserbriefe zurück. Niemand würde auf den Gedanken kommen, einen Brief an den kicker zu schicken und darin Werbung für den Fanclub von Reus und Götze zu machen. Aber die Zeit der Leserbriefe ist fast vorbei, Kommentare bei Facebook verfassen ist soviel einfacher und geht auch ohne Sinn und Verstand. Das wird auch Hans Sarpei nicht mehr ändern.
Qiumi.de Medienkritik – Thurn und Taxis in Weißrussland
Qiumi.de Medienkritik – Jetzt wird zurückgeschossen!
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Heute: Thurn und Taxis in Weißrussland von bayern.qiumi.de User 69
Als klar war wer da für den Bezahlsender kommentiert wetzten sicherlich viele Freunde des gepflegten Bloggens die Messer, sorry: die Tastaturen natürlich. Vom Blaublut aus Österreich wird man nie enttäuscht- wenn man das Richtige erwartet. Also erwarte ich -diszipliniert wie ich bin- wenig Reif und Fuss, dafür viel Frauke Ludowig.
Es geht los: Erst berichtet er vom Umzug des Gegners in ein großes Stadion „bei großen Spielen“. Damit ist man eingenordet: Fritz ist da, weil es groß wird- das halbleere Stadion stört des Kommentators eigene Logik nicht.
Aus dem harmlosen Verbalgeplänkel zwischen Sammer und Heynckes macht er schon vor Spielbeginn mal eben handfeste „Auseinandersetzungen“. Nun ja, als Ösi in Weissrußland ist Zurückhaltung eben schwierig…da gibt’s Scharmützel, so oder so….
Das alles gibt’s schon vor Spielbeginn, TuT´s Nachspielzeit ist mal wieder vorverlegt. In Minute 2 das erste „uiiiii“ – er lässt eben nichts aus, der alte Fritz. Und dann lauert man eben schon in wenig freudiger Erwartung auf das erste „fandassstisch“- es wird nicht kommen, nicht die einzige Enttäuschung des Abends. Hat der Linzer seinen Spickzettel mit all den erprobten Floskeln aus gefühlten 74 Jahren TV- Präsenz im Hotel gelassen?
Nach 10 Minuten muss ich mir dank TuT vorstellen Gomez würde sich rückwirkend zur letzten Saison verletzen. Unser Problem wäre dann jetzt Petersen. TuT überfordert meine Fantajalousie gerade, ich gebs zu.
TuT geht heute freudvoll zum Bankett, wo es zwischen Sammer und Heynckes brenzlig wird, verkündet er. „Geh, jetzt, sofort“ ruf ich durch den Raum…obwohl es erst 20.57 Uhr ist…
21 Uhr, das wird ein langer Eintrag, aber TuT ist unerschöpflich in seinem TuN: Badstuber kommt ein bißchen zäh daher, meint er, so in der Aussendarstellung freilich. Der Medienberater himself sorgt sich um Holger, da kann nichts mehr schief gehen. Beruhigt lehne ich mich zurück und überlege wie ich in den nächsten anderthalb Stunden mit diesem unerschöpflichem Quell aus Adels Hausen umgehe. Ich gedenke den Bericht einem geeigneten Lektor zu übersenden, der dann kürzt was irgendwie kürzbar ist, ohne dass das Gesamtkunstwerk „Fritz von TuT“ zerstört wird. Wer kann geeignet sein? Dittmann? Nee, der ist zu lustig. Gloria vielleicht, die hat Verständnis für gestörte Adlige. Aber die schnackselt bestimmt gerade… Alles Mist, machts eben Steffen Simon: der hat schwer Ahnung von Fußball, liebt uns Bayern^^ – und der kann immer, sagen Kenner der WDR- Szenerie…
21.21: ich hielt mich zurück, TuT nicht. Aber jetzt überfordert er mich: er verortet vor den Fernsehgeräten „einige eingefleischte Bayernfans“. Nein, wirklich? Ich seh mich schon auf dem Balkon stehen und wie weiland Roger Waters hinausstöhnen „Is there anybody out there?“.
Wir erfahren jetzt dass Shaqiri TuT´s Favorit ist. Ich habe Angst um unseren Kraftwürfel. Aber zum Glück ist Fritz schon anderweitig im Stress: er schwadroniert darüber wie man den weissen Russen über deren Flanken beikommen kann. Und ne Frau könnte jetzt hier helfen- aaaaaja, ich bin fassungslos, Fritzchen macht aus allem was….
22.12 Uhr: mein Hund leidet, sorry „ich leide wie ein Hund“ sagt der Skymann. Hmm, ich auch- doppelt sogar. Hätt ich bloss auf das Tippen für Mingablog verzichtet und auf Stadionton geschaltet…bei schlechtem Bayernspiel ist TuT zuviel des Unguten. Kein Bild lässt der Mann unkommentiert, schrec klich. Keine Szene kommt ungeschoren davon. Zieht dem Mann den Monitorstecker- und labert er dann immer noch, dann zieht bitte die anderen auch noch, welche auch immer den Mann umgeben.
UUUUUUUIIIII- hoffentlich wird’s noch besser mit den Bayern, sonst gibt mir TuT den Rest. Minus mal Minus ist nicht immer Plus.
Und jetzt greift ein Flugtier noch Don Jupp an, sagt Don Fritz. Die Weissrussen lassen nichts aus, haben uns bestimmt die Stukas nachgebaut- fies und hinterhältig, armer Jupp. Kein gutes Pflaster für Deutsche.
MAN: Behaltet doch den Ösi da…meine schlechte Laune erträgt jetzt nicht noch mehr Thurn und Taxis. Nach 88 Minuten ist TuT Geschichte.
Aus- das Spiel ist aus. Wir haben verloren, die Welt steht dennoch noch, wenigstens bis zum 21.12. Tut auch gar nicht so weh, kann halt passieren.
TuT tut aber weh, ernsthaft…Der Mann raubt einem den letzten Nerv. Übelste und tendenziöse Dampflaberei, völlig frei vom Erkennen von Spielentwicklungen oder gar taktischen Finessen. Der Mann entwickelt null Genussempfinden am Spiel- er hangelt sich stattdessen selbstverliebt von Floskel zu Floskel, von einer Plattitüde zur nächsten sinnfreien Anekdote.
Friedrich Leonhard Ignatius Josef Maria Lamoral Balthasar- mich hast Du geschafft. Nicht zum ersten Mal, auch nicht zum letzten Mal, da schreit der Masochist in mir nach mehr.
Gute Nacht, allerseits. Jungs von Sky: Tut was, TuT (ihn) weg!
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Qiumi.de Medienkritik – Der gekünstelte Kai Dittmann
Qiumi.de Medienkritik – Jetzt wird zurückgeschossen!
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Heute: Der gekünstelte Kai Dittmann von bayern.qiumi.de User Ricardo
Kommentator Gekünstelt
Ich bin kein Fan solcher Wortschöpfungen, wie es das Wort “gekünstelt” ist, gerade weil das Wort genau das ist, was es ausdrückt; gekünstelt.
Allerdings passt es hier sehr gut, weshalb ich eine Ausnahme mache. Kein Wort kann präziser ausdrücken, wie ich Sky-Kommentator Kai Dittmann emfpfinde.
Bevor er vor ein paar Jahren begann, häufiger beim Bezahlsender in Erscheinung zu treten, nahm ich an, sein Kollege Fritz von Thurn und Taxis sei an Dilettantismus nicht zu überbieten.
Doch weit gefehlt. Der gute Fritz bietet durch seine ernst gemeinten Einlagen à la “Huuui” wenigstens noch Unterhaltungswert.
Der geht Dittmann komplett ab. Kein Wunder also, dass Googles Auto-Vervollständigung bei der Eingabe von “Kai Dittmann” als dritten Vorschlag sofort “Kai Dittmann nervt” anbietet.
Weil das aus meiner Sicht genau der Wahrheit entspricht, habe ich die Gelegenheit genutzt und seine auffälligsten Aussagen vom Spiel Werder Bremen gegen Bayern München dokumentiert.
Mit seiner hellen, beinahe flötenden Stimme und seinem Dauergrinsen vermittelt er den Eindruck der wandelnden Fröhlichkeit, welche bewusst aufgesetzt wirkt.
Man spürt sein Verlangen, sich dem Publikum anzubiedern, ihm zu gefallen, was jedoch genau ins Gegenteil umschlägt.
Es ist auffällig, dass Dittmann sofort ausspricht, was er denkt, nur um die Welt an seinen Gedankengängen teilhaben zu lassen.
So verwechselt er in der 20. Minute Toni Kroos mit Bastian Schweinsteiger und meint daraufhin, einer von beiden solle sich bald die Haare färben lassen, da er sonst nicht mehr in der Lage sei, beide zu unterscheiden. Ich weiß nicht, wie das von anderen gesehen wird, aber für mich ist das ein öffentliches Eingeständnis der eigenen Unfähigkeit.
Im weiteren Spielverlauf sucht er immer wieder die direkte Ansprache an den Zuschauer. So sagt er Dinge wie “Ich gebe Ihnen recht, bei dieser Situation hätte ich auch anders entschieden als der Schiedsrichter.” Woher weiß Dittmann eigentlich, was ich denke? Vielleicht war ich mit der Entscheidung einverstanden.
Möglicherweise sieht er viele Entscheidungen aber nur “anders”, weil er schlicht von den Regeln des Fußballspiels keine Ahnung hat. Als Thomas Müller nach einem Freistoß im Abseits steht und seine Chance deshalb abgepfiffen wird, will Dittmann sofort erkannt haben, dass der Pfiff ertönte, weil Müllers Kopf zu tief war. Selbst nach mehrmaligen Wiederholungen der Abseitsposition ließ er sich nur auf den Kompromiss ein, dass das Abseits auch irgendeine Rolle gespielt haben könnte, aber die zu niedrige Kopfhaltung Müllers ganz sicher der ausschlaggebende Grund war.
Während des Spiels wurde Sky-interne Werbung für die Suche nach einem weiblichen Kommentator gemacht, wie es in diesen Wochen üblich ist. Manch ein Kommentator geht gar nicht auf die Bauchbinde ein, andere verstehen es, die Aktion zu bewerben, nur Dittmann versucht wieder, gezwungen witzig zu wirken. Er betont, dass diese Aktion garantiert ernst gemeint ist. Abgesehen davon, dass das ein trauriger Fakt ist, frage ich mich, wie der Sky-Vorstand darüber denken muss, wenn sein Kommentator die Ernsthaftigkeit dieses Projekts explizit betonen muss. Positive Außendarstellung sieht anders aus.
Ein weiteres Mal, als Dittmann meinte, witzig zu sein, verwendete er die saloppe Formulierung “Rund umme Uhr, wie mein Nachbar sagen würde.” Allerdings befürchtete er, dass das nicht von jedem verstanden wird (anscheinend hat er da schon Erfahrung?) und erklärt zur Sicherheit noch mal: “Vierundzwanzig Stunden am Tag, wenn ich Ihnen das mal übersetzen darf.”
Mit scherzhaften Bemerkungen ist es so: Sie funktionieren oder eben nicht. Muss man sie erklären, hätte man sie sich sparen sollen.
Zum Glück wird von Fußballkommentatoren nicht vorausgesetzt, ein Feingefühl für Sprache haben zu müssen.
Hat man sich je gefragt, warum so ein Mann wie Kai Dittmann überhaupt ins Stadion geht, lieferte er die Antwort am vergangenen Samstag gleich mit. So beschwerte er sich darüber, dass zwar beide Mannschaften wollen, dabei aber nur “herzlich wenig Spektakuläres und Unterhaltsames” herauskomme.
Das bekannte Sommermärchen-Phänomen schlägt nun also auch bei den Profis der Medienbranche zu.
Vielleicht kann Dittmann es eher als Geschichtenerzähler probieren. Das ist nämlich eine seiner großen Passionen. Deshalb ist es für ihn eine wahre Freude, (vorbereitete) Geschichten zu erzählen, die er noch dazu im Voraus ankündigt.
So lautet ein Zitat aus dem vergangenen Spiel “Ich sage gleich noch was Lobendes zu den Bremer Außenverteidigern.” Frecherweise wurde er davon vom Geschehen auf dem Platz abgehalten, wo sich eine Torchance anbahnte, weshalb er uns versichern musste, dass die Erzählung aber gleich ganz bestimmt und richtig wirklich noch kommen wird. Versprochen!
Auch später im Spiel kam ihm ein Eckball des FC Bayern in die Quere. Sein Blick fiel auf Felix Kroos, der sich hinter dem Bremer Tor aufwärmte und Dittmann sagte: “Da hinten ist Felix Kroos, da sage ich gleich noch was dazu.”
Wenn es so einer Extraankündigung bedarf, rechne ich natürlich mit einer außergewöhnlichen Sache, die mich vom Hocker haut!
Was kam? “Felix Kroos hat noch in keinem Pflichtspiel gegen seinen Bruder gespielt.” … Ja toll … Ohne dieses Wissen wäre ich wirklich dumm gestorben.
Wenn man bedenkt, dass Kommentatoren von der Spontanität leben und Dittmann (aber nicht nur er) oft vom Gegenteil lebt, fragt man sich ernsthaft, was genau jemanden zum Fußballkommentator befähigt.
Viel kann es nicht sein. Nicht mal die Namen der Spieler muss man beherrschen, wie uns ein kleiner Ausflug zum MDR beweist.
Dort ist die Sendung “Sport im Osten” für das MDR-Sendegebiet Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen das, was die Sportschau für das Bundesgebiet ist.
In der Zusammenfassung der Traditionspartie Lok Leipzig gegen Carl Zeiss Jena taufte der zuständige Journalist die Spieler Wurster und Alemdar in Wurstler und Almedah (nicht zu verwechseln mit Algebra) um.
In der Hoffnung auf Besserung bedanke ich mich recht herzlich fürs Lesen!
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Qiumi.de Medienkritik – Erich Laaser und LIGA total
Qiumi.de Medienkritik – Jetzt wird zurückgeschossen!
Duselbayern? FC Hollywood? Ekstatische Kommentatoren, wenn Bayern München mal nicht gewinnt? Die Mitglieder des Bayernboards von www.qiumi.de nehmen sich die Medien zur Brust, wenn sie Unsinn über unseren ruhmreichen FC Bayern München verbreiten, oder mal wieder einfach nur stupide sind. Jetzt wird zurückgeschossen!
Heute: Erich Laaser und LIGA total! von bayern.qiumi.de User Xsess
So Leute, heute gabs mal wieder ein schönes Beispiel wie man ein Bundesligaspiel mit völlig sinnfreien Kommentaren und Zuschauerfragen qualitativ runterziehen kann. So gesehen bei der Übertragung des „Nord-Süd-Super-Duper-Gipfels“ (ich liebe sie einfach, diese inflationär gebrauchten Derby/Gipfel/Rivalitäten-Übertreibungen) Bremen-Bayern auf Liga Total:
Zunächst versuchte man das Spiel mit etwas Interaktivität aufzupeppen, was an sich ja eine nette Idee ist. Jedoch, liebe Liga Total Redaktion, sollte man sich dann schon eine, zumindest ansatzweise geistreiche, Frage einfallen lassen. Ich kann mir bildlich die Redaktionssitzung vorstellen, in der sich 10 rauchende Köpfe 1 Stunde krampfhaft überlegten, welche Frage man denn für das Spitzenspiel Bremen-Bayern nehmen könnte. „Sind die neuen Auswärtstrikots der Bayern hässlich?“, mhhh zu plump, „haben Sie in letzter Zeit ein Wiesenhof-Hendl gegessen?“, nee, auch nicht, weil politisch zu aufgeladen, bis schließlich ein Redakteur die rettende Idee hatte: „18 Stammspieler! Macht der neue Konkurrenzkampf die Bayern so stark?“, Applaus, Fähnchen, ja, stark, so machen wir‘s! Tolle Idee Liga Total, aber genauso gut hättet ihr im „Fan Voting“ auch fragen können „25 Köche! Sorgen die neuen Mahlzeiten für einen besseren Body-Mass-Index?“ oder „8 Eckfahnen! Wird dadurch das Spielfeld breiter?“. Und wieso bitte genau 18 Stammspieler? Sollte sich Liga Total hier auf das kürzlich getätigte Interview von FCB News beziehen (http://www.youtube.com/watch?v=sXk9PmD1fl8), empfehle ich eine etwas genauere Recherche, denn hier redet Sammer von lediglich 15-16 Stammspielern. Das nächste Mal dann bitte etwas mehr Kreativität! Sonst lieber gar keine Frage.
Aber nun zum eigentlichen Geschehen. Als die Bremen-Fans den superoriginellen Evergreen „Zieht den Bayern die Lederhosen aus!“ anstimmten, konnte sich Erich Laaser irgendwie nicht so richtig anstecken lassen. Sein nüchterner Kommentar „Momentan siehts nicht so aus, als würde sich jemand was ausziehen. Aber wer weiß, das kann ja schnell gehen!“ Genau! Als erstes fängt dann sicher Philipp Lahm in Minute 30 an, sich seiner Klamotten zu entledigen, worauf sich auch Marko Arnautovic nicht mehr zurückhalten kann und sich Trikot und Hose in wilder Ekstase vom Körper reißt. Bis zur 90. Minute spielen dann 22 Flitzer auf dem Platz, was die verdutzten Bayern-Fans dazu verleitet „Zieht euch bitte wieder etwas an!“ zu gröhlen, da man die beiden Mannschaften partout nicht mehr auseinanderhalten kann.
Auch komplizierte fußballerische Zusammenhänge wurden von Laaser stets anschaulich und mit einer Menge Hintergrundwissen erklärt. „N bisschen langsamer geht‘s zur Zeit beim FC Bayern. Das hat aber wohl nichts damit zu tun, dass über Nacht dem Mannschaftsbus das Kennzeichen entwendet wurde.“ Ach echt?? Krass, dann wird mir natürlich einiges klar…
Als dann Ende der 1. Halbzeit für beide Mannschaften irgendwie nicht mehr so viel ging, stellte Laaser fest: „Die Fans von Werder merken, die Münchner brauchen jetzt Unterstützung!“ Danke Erich, wir auch, wir auch…
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Fiasko dahoam – ein Emotionsrückblick

Zu diesem Zeitpunkt hatte man noch Hoffnung.
Bild: Markus Unger used under CC License / Text: Heiko Nieft
1822 schrieb ein gewisser Franz Schubert seine Sinfonie in h-Moll, dieses klassische Stück ging als “Die Unvollendete” in die Geschichte ein. 190 Jahre später hatte der FC Bayern die Möglichkeit erneut Geschichte zu schreiben, doch auch dieses Mal geht es höchstens als “die Unvollendete” in die Historie ein – als unvollendete Saison in der Champions League wohlgemerkt. Es gibt noch weitere Parallelen, sofern man denn etwas großzügig interpretiert. Sowohl Schuberts Werk als auch die CL-Saison 11/12 des FC Bayern hören sich prinzipell gut an, beide fangen eher düster an und werden in ihrem Verlauf von einem stolzen Charakter geprägt. Doch unglücklicherweise fehlt beiden das “happy end”. Stattdessen steht man am Ende leicht irritiert im Raum, und fragt sich ob es das denn schon gewesen sein soll.
Zugegeben, ich bin kein großer Klassik-Fan, und die Beschreibung des Verlaufs entstammt in ihren Grundzügen aus Wikipedia. Ich habe jedoch lange nach einer passenden Einleitung gesucht, ohne gleich mit der Tür ins Haus zu fallen. Und was passt besser als der Vergleich zwischen einem nicht vollendeten Meisterwerk und einem… naja… nicht vollendeten Meisterwerk.
Ich will aber gar nicht großartig über das Spiel schreiben, ich gehe davon aus jeder hat es gesehen weshalb ich mir tiefgehende Analysen ersparen kann. Mir geht es viel mehr darum einen kleinen Einblick in meine Gefühlswelt zu offenbaren, wobei ich mir vorstellen kann das es anderen ähnlich ergangen ist.
Fangen wir am besten von vorne an. Vor einem Jahr hätte ich nie damit gerechnet das der FC Bayern in das Finale der Champions League 2011/2012 einzieht, noch dazu im eigenen Stadion. Zu unvorstellbar schien es. Erst die CL-Quali, durch den schlechteren Topf auch die Gefahr einer schweren Gruppe. Doch beides hatte man geschafft, aber bereits im ersten KO-Spiel wurde es wieder kritisch – Stichwort Basel. Danach steigerte sich die Mannschaft international von Spiel zu Spiel, und jedem schwirrte mehr und mehr die Aussage von Uli Hoeneß im Hinterkopf herum. Sollte es wahr werden? Das “Finale dahoam”? Wie wir alle wissen wurde es wahr, nachdem die Truppe im Halbfinale auch Real Madrid ausschalten konnte. Aber jetzt war nicht mehr das erreichen des Finales das Gesprächsthema, sondern eher das der FC Chelsea der Gegner ist. Fest mit einem Sieg rechnend verging die Zeit bis zum Finale recht rasant, die Spannung stieg und stieg, die Landeshauptstadt München fing an ob des Ereignisses zu vibrieren. Eigentlich überall wurde man mit Werbung zu diesem Spiel bombardiert, in den letzten Tagen vor dem Finale konnte man kaum noch aus dem Haus gehen ohne an das Spiel erinnert zu werden. Man hatte einfach dieses Gefühl das es eine einzige große rot-weiße Party werden würde, an diesem 19. Mai 2012. Sponsoren drückten per Werbefläche die Daumen, anderenorts wurde das “Champions Festival” im Olympiapark angepriesen. Einfach alles deutete auf diesen einen Tag, auf diese wenigen Stunden am Abend hin. Selbst Arbeitskollegen die sonst nicht allzu viel mit Fußball anfangen konnten wussten von dem Spiel und fragten ständig nach dem eigenen Empfinden. Ich hatte das Glück das alles jeden Tag direkt in München genießen zu können, weniger Glück hatte ich (und viele viele andere) jedoch beim Thema Kartenvergabe. Schon vorher war klar das die Preise auf dem Schwarzmarkt explodieren werden, was sie dann auch taten. Daher stand recht früh fest das ich, wie viele meiner Kurvenkollegen, das Finale wohl leider nicht live im Stadion verfolgen kann.
Zum Glück gibt es jedoch ein kleines aber feines Forum namens Qiumi – ich selbst bin dort seit vielen Jahren aktiv, viele der dort registrierten Bayernfans sind aktive Supporter, aber alle mindestens mit Herzblut dabei. Die User verstreuen sich über das gesamte Bundesgebiet, dennoch entschloss man sich ein gemeinsames “Public Viewing” zu organisieren. Leichter gesagt als getan, schnell stand fest das die Anzahl der Teilnehmer eine gewisse Planung erfordert. Da sowohl das off. Public Viewing im Olympiastadion als auch auf der Theresienwiese ziemlich schnell ausverkauft waren musste also etwas anderes herhalten. Die Wahl fiel auf das Backstage-Gelände, und man hatte sogar das Glück noch einige Tische reservieren zu können. Lange Rede, kurzer Sinn, am Ende waren es mehr als 50 Leute aus ganz Deutschland die sich gemeinsam das Finale angesehen haben. Ich für meinen Teil fand alleine das einfach nur wunderbar, auch weil ich viele der Auswärtigen bereits kannte und mich auf ein Wiedersehen freute. Dies trug natürlich auch seinen Teil dazu bei das dieser Tag einfach kein Tag wie jeder andere wurde – unabhängig vom Spielausgang.
Den Finaltag im Detail zu beschreiben würde jeden Rahmen sprengen, und selbst dann nicht dem Gefühl im Ansatz gerecht werden das man hatte als man auf die illustre Runde blickte. Das Wetter war wie eigentlich alles einfach perfekt für diesen Tag, für diesen Abend. Jeder war guter Dinge, man trank das ein oder andere Bier, sang fröhlich und ausgelassen und man spürte die immense Vorfreude. Im Hinterkopf hatte wohl auch jeder schon irgendwie den Gedanken an die Nacht gerichtet, ich für meinen Teil tat dies auf jeden Fall. Alleine dir Vorstellung was bei einem Sieg des FC Bayern in München los gewesen wäre verleiht mir auch heute noch Gänsehaut.
Ich habe es selten erlebt das jeder vom Gewinn so überzeugt war, dieser unbändige Wille und das Glänzen in den Augen aller Anwesenden ist eines der Dinge an die ich mich sicherlich noch lange erinnern werde. Wohlgemerkt war das alles noch Stunden vom Anpfiff entfernt, die Zeit bis dahin wollte nicht so recht vergehen.
Die Anspannung stieg je näher der Anstoß rückte, man merkte das die Ausgelassenheit ein wenig dem kribbeln wich, dieser Art von kribbeln das es so wohl nur bei einem CL-Finale gibt – erst recht wenn es quasi vor der eigenen Haustüre stattfindet und der eigene Verein teilnehmen darf.
Als das Spiel endlich anfing konnte man schnell erkennen das die Hausherren den Ton angaben, im Regelfall nennt man sowas ein Spiel auf ein Tor. Entsprechend gut war die Stimmung, dieses Spiel konnte einfach nicht verloren werden. Man hatte Chance um Chance, jedes Mal bereit für den Torschrei, jedes Mal bereit für inbrünstigen Jubel. Aber irgendwie wollte einfach kein Tor fallen, keine Ahnung ob es an fehlendem Zielwasser lag oder am teils übertriebenen Spieltrieb. Dennoch war man auch in der Halbzeit davon überzeugt den Henkelpott heute nach 11 Jahren endlich wieder nach München zu holen.
Die zweite Hälfte lief ähnlich zu der ersten, wieder waren wir am Drücker, wieder hatten wir die Chancen. Ribéry netzte sogar einmal ein, leider war es Abseits weshalb es nicht zählte. Doch diese Situation zeigte welche Stimmungsexplosion einen erwarten würde wenn am Ende der Sieger Bayern heißt, lauter Jubel überall, bis jeder realisierte das der Treffer nicht zählte dauerte es ein Weilchen. Weiter 0:0, bis zur 83. Minute. Ausgerechnet Müller, der Müller der vor zwei Jahren seine Chancen nicht nutzen konnte, trifft zum lang erwarteten und absolut verdienten 1:0. Sowohl die Stimmung im Stadion, als auch im Backstage kocht über. Lange Freudenschreie, Jubel ohne Grenzen, Tränen des Glücks bereits in den Augen. Einfach unbeschreiblich was in diesem Moment in einem vorgeht, pure Extase. 7 Minuten noch zu spielen, Bayern haushoch überlegen, was sollte da noch schiefgehen?
Doch dann wurde Müller ausgewechselt, und das Spiel änderte sich. Chelsea drückte, und kam durch den deren ersten Eckball in der 88. Minute zum Ausgleich. Schock… War das wirklich gerade passiert? Zählt der Treffer? Hat sich Drogba vllt. aufgestützt, irgendein anderes Foul? Nein, leider nicht. Fassungslosigkeit wenige Minuten nach dem ultimativen Jubel. Erste Gedanken schossen einem durch den Kopf, als Bayernfan ist man seit ’99 ein gebranntes Kind was späte Gegentore in einem CL-Finale angeht. Auf einen Schlag wich die Ausgelassenheit der Sorge, die Vorfreude dem Bangen.
Gegenseitige Zusprüche nach der regulären Spielzeit. “Das schaffen wir noch!”, “Wir packen das Jungs!” und ähnliche Sprüche. Fast wäre es ja auch so gekommen, ein Elfmeter für uns in der Verlängerung, der Torschrei bleibt einem jedoch im Halse stecken. Verschossen… Im CL-Finale… Das kann doch nicht sein! Wieder eine 180°-Wendung der Gefühle in kurzer Zeit. Die Stimmung wird wieder nervöser, der spontante Glaube an einen Gott erwacht, Stoßgebete gen Himmel oder sonstwohin schwirren durch die Luft. Nichts mehr zu spüren von der Ausgelassenheit vor Spielbeginn.
Die Verlängerung geht zu Ende, es gibt mal wieder Elfmeterschießen. Diese Lotterie, bei der die Deutschen eigentlich immer das Quentchen Glück haben. Bayern geht in Führung, wieder großer Jubel als Neuer hält, der Glaube an den Titel ist zurück. Jetzt muss es doch klappen!
Doch es klappt nicht. Olic und ausgerechnet Schweinsteiger verschießen, während Drogba den entscheidenden Elfmeter versenkt. Sofort wird es still, keiner fiebert mehr mit, keiner schreit mehr. Aus, vorbei… Verschenkt… Ein elendiges Gefühl bahnt sich seinen Weg, man ist nur noch fassungslos.
Als ich mich das erste Mal umblicke nachdem ich selbst erst einmal nur noch allein sein wollte sehe ich die gleichen Gesichter wie das ganze Spiel über, aber der Ausdruck ist anders. Keine Freude, kein Glänzen in den Augen. Nur noch absolute Leere. Niemand wütet, es hat keiner mehr die Kraft. Eine emotionale Achterbahnfahrt gipfelt im Absturz. Die Leute sitzen regungslos da, oder stehen ebenso regungslos an den Tischen. Irgendwann fängt der erste an rumzulaufen, und versucht die anderen anwesenden Forumskollegen zu trösten. Wortlos. Mit der Zeit weicht die Ohnmacht, und immer mehr Leute wollen ihre Freunde trösten. Schulterklopfen, wenige Worte fallen.
Mir ist irgendwie nur noch übel, ich fühle mich ausgekotzt und orientierungslos. Am liebsten würde ich mich auf der Stelle eingraben, die Uhr zurückdrehen oder auch wahlweise einfach nur vergessen was gerade passiert ist.
Diejenigen die mit dem Auto gekommen sind machen sich relativ schnell auf den Rückweg. Aus der geplanten durchzechten Partynacht wird nichts. Unser “Mob” löst sich Stück für Stück auf, auf diejenigen Kumpels die im Stadion waren warten wir nicht mehr. Wir wissen auch gar nicht ob sie überhaupt zurückkommen würden. Und selbst wenn, was würde das ändern?
Ein paar bleiben noch länger wie versteinert sitzen, während ich mich mit Marco verabschiede. Sein Zug fährst erst Sonntag früh, aber auf durchmachen hat niemand mehr Lust. Also ab in meine Wohnung, nur noch schlafen. Sofern möglich… Gedanken schießen durch den Kopf, was wäre wenn… Aber letztlich ist es ein Labyrinth ohne Ausgang, man verrennt sich in Gedanken, dreht sich im Kreis. Findet keine Lösung.
Der Sonntag, eigentlich für die Triumphfahrt geplant, ist ein Tag zum vergessen. Irgendwie habe ich ein paar Stunden geschlafen, aber ich fühle mich weiterhin einfach nur miserabel. Kein Bock auf schönes Wetter, die Vorhänge bleiben zu. Irgendwann fängt man an zu realisieren welche historische Chance man verpasst hat. Das Kopfkino kommt zurück, man stellt sich vor wie die Party in München wohl gewesen wäre wenn Bayern gewonnen hätte. Wie “episch” es doch geworden wäre. So sitzt man nur wie betäubt vor dem Fernseher, und vermeidet jegliche Sendung zum Thema CL-Finale. Die Aufzeichnung habe ich selbst noch direkt nach meiner Rückkehr gelöscht, bloß keine Erinnerung.
Die folgenden Tage in der Arbeit sind nicht großartig anders. Zum Glück halten sich die Kollegen, die wissen das ich leidenschaftlicher Bayernfan bin, mit “Beileid” oder irgendwelchen Witzen zurück. Ändert aber nichts daran das man nachwievor neben sich steht, weiterhin nicht wirklich wahrhaben will was am Samstag spät abends passiert ist.
Irgendwann höre ich mal einen Kollegen fragen wie man denn wegen so einem Spiel so emotional sein kann und sogar weint, ich glaube sogar das Wörtchen “dumm” gehört zu haben. Die Frage ging zum Glück nicht an mich, und ich habe auch keinerlei Interesse mich einzumischen. Wie soll man so jemandem sowas auch erklären?
“Ist doch nur ein Spiel”, dieser Satz klingt wie Hohn für jeden Fan mit Herzblut. Egal wo. Es ist viel mehr als “nur ein Spiel”. Jeglicher Erklärungsversuch wieso das so ist ist überflüssig. Emotionale Verbundenheit ist allgemein nur schwer zu erklären. Es ist so wie es ist, wer es nicht selbst erlebt kann es nicht verstehen.
Jetzt, knapp eine Woche später, ist das vergebene Finale immer noch allgegenwärtig. Und das wird es auch bleiben. Ähnlich wie ’99 wird sich dieses Spiel einbrennen. Barcelona ’99 war für mich auch deutlich weniger schlimm, aus verschiedenen Gründen. Ich war damals noch jünger, bei weitem nicht so emotional und fanatisch wie heute. Und ich war damals alleine im Oly, hatte danach nur mit mir zu kämpfen. Dieses Mal erinnere ich mich auch noch an die leeren Gesichter, an die Tränen der Freunde mit denen ich gerne zusammen gefeiert hätte.
Und dennoch möchte ich diesen Tag nicht mehr missen. Ja, wir haben das Spiel verloren. Aber die gemeinsame Vorfreude, das gemeinsame Leiden, sind irgendwie auch Momente die diesen Tag so einzigartig gemacht haben. Alleine die wenigen Minuten zwischen Führung und Ausgleich waren so wahnsinnig geil… Das Wissen das man, wenn man einige bei einem Auswärtsspiel nächste Saison wiedersieht, diese Momente zusammen erlebt hat schweißt einen zusammen. Genau aus diesem Grund spüre ich sogar schon wieder eine gewisse Vorfreude auf eben diese Auswärtsspiele. Und natürlich auch auf die Heimspiele, aber die Auswärtsauftritte sind halt das i-Tüpfelchen.
Was bleibt ist die Hoffnung das die Mannschaft aus diesem Spiel lernt, die Kaltschnäuzigkeit wiederfindet die den FCB die vergangenen Jahre über so ausgezeichnet hat. ’99 und ’01 haben uns gelehrt niemals aufzugeben, diese Einstellung muss wieder zurückkehren an die Säbener Straße. Dann stellt sich auch die Frage nach dem nächsten CL-Finale nicht, nur die Frage nach dem “wann”. Klar wird ein Sieg in naher Zukunft die jetzige Niederlage nicht gutmachen, der Jubel in der Stadt wird vermutlich eine Stufe kleiner ausfallen. Aber wir werden auch diesen Titel richtig feiern, soviel steht fest. Am liebsten im Kreise der Leute mit denen ich auch die Niederlage vor einer Woche erleben durfte, damit ich dieses Glänzen in den Augen auch nach dem Spiel sehen kann, und nicht nur davor.
Jetzt heißt es erstmal die Zeit bis zur nächsten Saison damit zu verbringen seine Wunden zu lecken, wirklich Bock auf Fußball hat man eh erst einmal nicht. Die anstehende EM interessiert mich persönlich nur äußerst gering, Nationalmannschaften sind nicht so mein Ding. Aber spätestens ab Mitte August, wenn der Ball in der Bundesliga wieder rollt, muss man das Finale hinter sich gelassen haben und wieder daran glauben Titel zu holen. Der FC Bayern lässt sich nicht unterkriegen, wir kommen wieder. Jetzt erst recht!
Kleiner Heißmacher

Das wird unsere Nacht, ihr Roten!
Bild: CPando used under CC License / Text: Marco Thielsch
Die Aufgabe heute Abend ist klar: Einen Rückstand von einem Tor in 90 Minuten aufholen. Manch ein Zauderer gibt mit weinerlicher Stimme zu bedenken, dass es ja ganz schwierig würde, wenn Basel ein Tor schießt. Die würden ja auch so unangenehm spielen, so kompakt, so konterstark. Und überhaupt, wenn das schief ginge heute Abend, wäre ja die ganze Saison gelaufen. Ich will davon nix hören. Ihr Pussys! Mit der Einstellung holst du gar nix, außer vielleicht den Fair Play Preis beim Käthe-Kollwitz-Cup.
Die Champions League ist keine Veranstaltung für Zweifler und Konjunktivjongleure. Wir gehen da heute Abend raus und hauen die weg! Brust raus, Bauch rein und Haltung annehmen Freunde! Die rote Horde nimmt sich, was ihr zusteht. Das ist unser Stadion, unser Spiel, unsere Nacht. Und jetzt geht da raus und zeigt unsere Farben, hisst unsere Fahnen und singt unsere Lieder! Zeigt ihnen was es heißt vom ruhmreichen FC Bayern München zu sein. AUF GEHT´S IHR ROTEN, KÄMPFEN UND SIEGEN!



















